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Kempa-Cup 2010

Kempa-Cup: HSV holt nach Auftakterfolg in Lenningen auch Turniersieg

Der erste von drei erfolgreichen Arbeitstagen war geruhsam. Turniersieger Hamburger SV kam beim Auftakt des
Intersport Masters am Freitag in Lenningen zu einem mühelosen 36:26 (16:11)-Erfolg gegen den HBW Balingen-
Weilstetten. Knapp 800 Zuschauer in der restlos ausverkauften Lenninger Sporthalle erlebten ein deutliches Nord-
Süd-Gefälle und einen gelungenen Auftritt von Michael Kraus im Trikot des HSV.
Bernd Köble

Starparade schon beim Aufwärmprogramm. Weltmeister zum Anfassen, allzeit bereit zum kurzen Plausch,
fürs Autogramm im Vorbeigehen oder den Schnappschuss fürs Familienalbum. Sympathiepunkte sammeln an der
Basis – das ist es, was die Macher beim Intersport Masters in Sindelfingen seit Jahren erfolgreich betreiben. Und
Lenningen war am Freitag wieder einmal mitten drin im Geschehen. Der Auftritt des deutschen Vizemeisters und
Pokalsiegers HSV lockte am Freitag nicht nur die Handballfans aus dem Täle zum Auftaktspiel um den Kempa-Cup.
Mit Ex-Nationaltrainer Ekke Hoffmann, Landestrainer Kurt Reusch sowie Namensgeber und Patron Bernhard Kempa
saß reichlich Prominenz auf der Tribüne. Einer kam schon vor dem Anpfiff gewaltig ins Schwitzen: „Mimi“ Kraus war
der unumstrittene Liebling der Fans – vor allem der jüngeren. Der Ex-Göppinger nahm den Rummel gewohnt locker,
mit einem Dauerlächeln.

Ein Lächeln, das auch den Schlusspfiff überdauerte. Kraus war im blauen Trikot seines neuen Arbeitgebers mit sieben
Treffern hinter Torschützenkönig Hans Lindberg bester Werfer auf dem Platz. Nicht nur das: Mit seiner gewohnt
explosiven Spielweise war er Taktgeber auf Seiten des HSV und spielte als Einziger fast 60 Minuten durch. Vom
angeblichen Trainingsrückstand keine Spur. Eine Halbzeit lang überzeugte Kraus in der Spielmacherrolle. Im zweiten
Durchgang wich er für den am Dienstag an der Schulter operierten Krzysztof Lijewski auf die rechte Rückraumseite
aus und machte in der Mitte Platz für Guillaume Gille.

Der HSV tat sich nur in den ersten zehn Minuten gegen limitierte Balinger schwer, denen vor allem in der zweiten
Hälfte der nötige Biss fehlte. „Wir haben heute nicht zu der kämpferischen Einstellung gefunden, die wir brauchen,
um erfolgreich zu sein“, stellte Balingens Coach Rolf Brack hinterher fest. „Dass wir spielerisch nicht mithalten
können, war von vornherein klar.“ Selbst dann nicht, als Brack mehrere Male den Torhüter aus dem Spiel nahm und
einen siebten Feldspieler brachte.

Obwohl sich seine Mannschaft gegen abgeklärte Hamburger in den letzten zehn Minuten so gut wie keine Chancen
mehr erarbeitete, nahm Brack auch positive Signale wahr. Eines davon stammte von Roland Schlinger, Neuzugang
aus Bregenz, der in der ersten Halbzeit bester Mann beim HBW war. Schlinger überzeugte mit vier Treffern und mit
Athletik in einer ansonsten körperlich stark unterlegenen Balinger Mannschaft. Besonders drastisch fiel dies auf, als
sich der erst 19-Jährige Felix König und Igor Vori Auge in Auge gegenüberstanden. Das Balinger Leichtgewicht auf
der Spielmacherposition und der kroatische 110-Kilo-Riese im Hamburger Mittelblock gaben ein fast schon bizarres
Paar ab.

Bis zum 16:11-Halbzeitstand war der HBW im Bemühen um Schadensbegrenzung noch erfolgreich. Großen Anteil
daran hatten beide Balinger Torhüter, die an diesem Abend mehr als nur Ersatz waren. Paul Bar und Samuel Beha
mussten aus dem Regionalliga-Kader nachrücken, weil beide Stammtorhüter fehlten. Gerechte Arbeitsteilung auch
auf der Gegenseite, wo Nationalkeeper Jogi Bitter einen soliden Job erledigte. Für ihn kam in der zweiten Hälfte Per
Sandström.

Der HSV zog routiniert Tor um Tor davon und lag nach 35 Minuten durch einen Doppelschlag von Rechtsaußen Hans
Lindberg bereits mit acht Treffern vorn. Den pfeilschnellen Schweden bekamen die Schwaben nie in den Griff. Als
dieser nach 40 Minuten das Spielfeld verließ, verlagerte sich das Problem auf die linke Seite. Der eingewechselte
Torsten Jansen demonstrierte mit dem ersten Ballkontakt und zwei Treffern in Folge, warum er auf dieser Position zu
den Coolsten und Ausgebufftesten in der Welt zählt.

Luft nach oben boten beide Mannschaften zwei Wochen vor Saisonbeginn reichlich. Für den HSV findet der Ernstfall
bereits am 24. August statt, wenn der Pokalsieger im Supercup auf Meister THW Kiel trifft. Martin Schwalb, der nach
Saisonende seinen Trainerstuhl räumen und beim HSV den Managerposten übernehmen wird, erlebte in Lenningen
einen entspannten Abend. Nach einem gemeinsamen Abendessen im Zelt vor der Halle ging es zurück ins
Mannschaftshotel nach Sindelfingen. Nach Siegen gegen Sankt Gallen und Göppingen bezwangen die Hamburger
gestern im Finale im Glaspalast auch die Rhein-Neckar-Löwen mit 32:31.

HSV Hamburg: Bitter, Sandström – Lindberg (8), Kraus (7/1), B. Gille (5), Lackovic (4), Flohr (3/1), Jansen (3), Vori
(2), G. Gille (2), M. Lijewski (2), Hens

HBW Balingen-Weilstetten: Bar, Beha – Wilke (6/1), Schlinger (4), Temelkov (4/2), Boisedu (2), Schuldt (1), König
(1), Lobedank (1), Herth (2/2), Sauer (1), Strobel (1), Mitkov (1), Bürkle (1), Ettwein (1), Ilitsch

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